Die Debatte über „kulturelle Aneignung“

Die Debatte um kulturelle Aneignung (cultural Appropriation) nimmt gefühlt immer mehr Raum ein. Im Missy Magazine erschien ein Artikel über die Fusion, bei dem mensch den Eindruck bekommen könnte, auf der Fusion sei Rassismus genau so präsent, wie auf einem Landserkonzert. Auch in anderen linken Zeitungen sind im letzten Jahr unzählige Artikel erschienen, die sich mit „kultureller Aneignung“ und „critical whitness“, Sensibilisierung und bis hin zur Einführung von Verboten beschäftigen. Ursprünglich ein Forschungsfeld, wird critical whitness im öffentlichen Diskurs, welcher hauptsächlich auf Blogs und in Zeitungen statt findet, zur Ideologie gemacht. Die Definition, ab wann nun „kulturelle Aneignung“ beginnt und ob daraus Konsequenzen wie Verbote für Dreadlocks und Gerichten anderer Kulturkreise folgen sollen, ist dabei nie Einheitlich und erscheint in aller Regel willkürlich. Dadurch entsteht ein Problem für Kritiker*innen, die sich deshalb meist an konkreten Beispielen abarbeiten. Von Vertreter*innen wird diese Kritik dann entweder dadurch diskreditiert, dass es sich um „Einzelbeispiele“ handele, welche nichts mit der Theorie zu tun hätten, oder Kritiker*innen wir auf Grund der Tatsache, dass sie kritisieren unterstellt, sie würden sich auf ihren „weißen Privilegien ausruhen“. Deshalb will ich versuchen meine Gedanken zu diesem Thema möglichst abstrakt zu halten, um möglichst universelle Anwendbarkeit zu erreichen.


Wo ist die Utopie
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Eine vernünftige Theorie sollte immer von dem Standpunkt der zu erreichen gewünschten Utopie gedacht werden, um sich nicht ins Nichts zu verrennen. Das ist wichtig, da wir als Anarchist*innen die Utopie so weit wie möglich vorleben sollten. Wie soll eine Gesellschaft ohne kulturelle Aneignung aussehen? Diese Frage bleibt ungeklärt. Es sind vor allem zwei Extreme festzustellen. Auf der einen Seite gibt es Vertreter*innen die im höchst angriffslustigen Ton, alles was aus anderen Kulturkreisen übernommen wird, als rassistische Praxis beschimpfen. Und auf der anderen Seite welche die davon sprechen, nichts verbieten zu wollen, es ginge um Selbstreflektion und eine Kritik am Ausverkauf fremder Kulturen.
Bei der ersten Variante könnte mensch den Eindruck, wir sollen uns unbedingt den bürgerlichen Habitus annähern und Subkulturen wie Punk, Hippie, Hardcore, HipHop etc. auf Grund von Dreadlocks, Iros, Tunneln,Tätowierungen und Musik abschaffen, weil rassistisch! Manchmal ist aber nur von Dominazkultur. Dann dürften Subkulturen allerdings nicht betroffen sein, oder? Angegriffen werden sie meist trotzdem.
Weiter Forderungen sind, dass Weiße kein Essen aus anderen Kulturkreisen öffentlich zubereiten. Und auch Karl May soll aus dem Bücherregalen Europas und Amerikas für immer verschwinden.
Nach den gemäßigten Vertreter*innen bräuchte sich im subkulturellen und politischen Kontext eigentlich nicht viel ändern. Es ginge nur darum zu reflektieren, was gewisse Dinge in anderen Kulturkreisen für eine Bedeutung haben. Wobei bei beispielsweise Dreadlocks und Iros im Punk ebenfalls ein Widerstandssymbol gegen die westliche Gesellschaft darstellen, wie auch in der schwarzen Bewegung. Des weiteren würde entsprechende Verwertungsmechanismen im Kapitalismus kritisiert. Ich fände diese Variante sogar begrüßenswert, allerdings erscheinen diese sehr seltenen Meinungen meist als herunterspielende Antwort, nachdem ein emotional geladener Hassartikel von den Kritikern zerrissen wurde.
Es ist wohl klar, dass eine Theorie, welche Menschen nach biologistischen Kriterien eine bestimmte Rolle zuteilt, mit einer libertären Utopie einer emanzipatorisch und egalitären Gesellschaft unvereinbar ist.
Letztendlich bleibt die critical Whitness-Fraktion die Antwort schuldig, wie ihre Ideen in einer solchen Utopie platz finden, und wie das in der Praxis ganz konkret aussehen soll. Wo verlaufen die Grenzen zwischen Austausch und Aneignung? Gehören Subkulturen, vor allem jene, die im Widerstand gegen die westlichen Gesellschaft stehen und Kommerzialisierung Ablehnen, zur Dominanzkultur? Sollen diese zukünftig auf elemtare Symbole zum Ausdruck ihres Widerstandes verzichten, sobald diese auch in einer beliebigen marginalisierten Kultur vorkommen?


Das Problem des Kulturbegriffes

Allen Richtungen der „kulturellen Aneignung“ ist gleich, dass sie auf einem westlichen, „weiß“ dominierten Kulturverständnis beruhen, dass durch erst durch die Kolonialisierung weltweite Verbreitung gefunden hat. Dieses Kulturverständnis stellt allerdings keinen universalen Bestandteil aller Kulturen da. So gibt es beispielsweise Indianerstämme, wie die Yanomamis, die kein Eigentum kennen.
Je nach Geburt und Hautfarbe werden alle Menschen Großkollektiven zugeordnet, welchen mal mehr mal weniger willkürlich kulturelle Etiketten als Eigentum zugeschrieben werden. Das klingt nicht nur reaktionär, sondern ist es auch. Hier beißt sich die Ratte gleich zweimal in den Schwanz.
Ich bin jedenfalls der Auffassung, dass geistiges Eigentum abgeschafft werden sollte. Diese Theorien verlangen allerdings danach es zu erhalten und zu erweitern. Natürlich möchte ich darauf hinweisen, dass es auch in einer Gesellschaft, frei von geistigen Eigentum, ein respektvoller Umgang Konvention sein soll. Das gilt natürlich auch für kulturelle Aspekte, schließt allerdings Verbote und Rassismusgeschreie aus, da eine Übernahme das gute Recht jedes*r Einzelnen ist. Hier wird auch deutlich, dass die Utopie fehlt, oder zumindest nicht mit gelebter anarchistischer Praxis vereinbar ist.
Zweites Problem ist, dass Aufzwingen der Eigentumskultur in Kulturkreise, die Eigentum ablehnen, beispielsweise die oben genannten Yanomami. Wenn das nicht koloniale Qualität hat!
Es bleibt auch noch die Frage zu klären, wie bei konsequenter Trennung der ethnischen Gruppen, ein soziales Auseinanderdriften der Ethnien verhindert werden­ und ein Gemeinsames hergestellt werden soll. (Dieser Satz bezieht sich auf die extremeren Ansätze).

Schwarz/Weißdenken
Durch die Einordnung in die biologischen Schubladen entsteht ein schwarz/weiß-Schema, welches andere privilegiengebenden Umstände wie Geschlecht, Klasse, Schönheitsideale usw. ausblendet. Obama ist zum Beispiel ist viel privilegierter als die Mehrheit der Weißen, erfassen kann solche Klassenunterschiede diese Theorie aber nicht. Gerne wird auch behauptet das PoCs durch Dreadlocks am Arbeitsplatz diskriminiert werden, Weiße aber nicht. Falsch! Das Problem besteht eher darin, dass bei PoCs sich in diesem Fall zwei Diskriminierungskatalysatoren addieren (natürlich nie 1:1). Solche Behauptungen werden in erster Linie von äußerlich angepassten Menschen, oder von Großstädtern, mit wahrscheinlich akademischer oder sozialer Laufbahn aufgestellt, die den Fehler machen, den sie an anderen vorwerfen: Nämlich die eigenen Privilegien nicht hinterfragen. Im Umkehrschluss zeigt dieses Beispiel aber auch schön, dass es tatsächlich vorteilhaft sein kann, die eigene gesellschaftliche Position zu hinterfragen und so Fehlschlüsse zu vermeiden. Mit seinem schwarz/weiß-Schema reiht sich die cultural Appropriation jedenfalls in eine Reihe traditionell engstirniger bürgerlicher Theorie ein.


Individuelle Freiheit vs. Verbote

In meiner Auffassung anarchistischer Theorie ist die Selbstbestimmung das aller höchste Gut. Es soll nur da beschnitten werden, wo tatsächlich andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Durch das Übernehmen „geistigen Eigentums“, bei respektvollen Umgang, entsteht allerdings kein Schaden beim Urheber (Wer Urheber ist, ist allerdings in kulturellen Angelegenheiten kaum festzustellen). Somit steht jeden*r frei sich zu kleiden und den Lebensraum frei zu gestalten wie er*sie will. Das davon beispielsweise Nazisymbole ausgenommen sind, sollte klar sein, da diese Gleichzeitig ein Statement sind, die Freiheit anderer einschränken zu wollen.

Diskriminierung durch Verwechslung
Jetzt wird es komplizierter, da wahrscheinlich verschiedene Theorievertreter*innen hier unterschiedliche Ansichten haben, alle Ansichten aber problematisch sein können. Ich kann es auch leider nur an konkreten Beispielen festmachen. Es gibt beispielsweise tatsächlich Menschen die Eminem kulturelle Aneignung vorwerfen. Die Begründung dürfte klar sein. Als Weißer eignet er sich HipHop, die Ausdrucksform der PoCs aus der amerikanischen Unterschicht an, wird damit berühmt und Millionär. Das Problematische an der Kritik ist allerdings, das Eminem selber als einzelner weißer zusammen mit den PoCs in Warren mit der HipHop Kultur groß geworden ist. Es ist also seine eigene Kultur und trotzdem wird ihm kulturelle Aneignung vorgeworfen. Ich halte das für ziemlich unfair.
Die meisten würde das wohl nicht als kulturelle Aneignung sehen, da Eminem zwar die falsche Hautfarbe, aber wenigstens in die Armut, aus der die HipHop Kultur entstanden ist, hinein geboren wurde. Problematisch kann es hier aber trotzdem werden. Durch erhitze Gemüter und Halbwissen könnten trotzdem solche Vorwürfe lautwerden. Das selbe kann auch weiße Rastafari oder Juden treffen, die das Gelübte des Nasiräers geleistet haben und deshalb Dreadlocks tragen. Für die „Mitglieder“ der „Kultur“ kein Problem, für einige „Linke“ scheinbar schon, wenn sie „Weiße“ dazu auffordern ihre Dreadlocks abzuschneiden (Bsp.: No Border Camp Köln 2012). Ist das die gerechte Gesellschaft? In der mensch jeden*r willkürlich Rassismus oder kulturelle Aneignung vorwirft?


Dekonstruktion statt Reproduktion

Die fehlende Zukunftsperspektive weist schon auf das Glatteis, auf dem sich die Theorie bewegt, hin. Fest steht jedenfalls, dass eine Theorie, welche nach biologistischen Kriterien wie der Hautfarbe und dem Geburtsort sortiert und daraus individuelle Rechte ableitet, in einer egalitären Utopie keinen Platz findet. Die Freiheit des Individuums durch Eigentumsrechte kollektiver Gruppierungen zu beschneiden, erscheint mir im Widerspruch zum Vorleben anarchistischer Praxis. Weiter sind die Hauptleidtragenden solcher Theorien Subkulturen, die in Opposition zur westlichen Herrschafts- und Ausbeutungskultur stehen und innerhalb der westlichen Gesellschaft eine Minderheiten bilden. Es ist definitiv eine abzulehnende Praxis diese Menschen nicht in den Diskurs einzubinden, indem er vor allem von einer akademischen Elite getragen wird. Obendrein bleiben die kulturellen Hintergründe und Entstehungsgeschichten der jeweiligen Subkulturen komplett unberücksichtigt. Durch den aggressiven Ton und der Forderung nach Sanktionierung von Subkulturen und Einzelpersonen, werden die sinnvollen Ansätze im Keim erstickt. Unklar bleibt auch, wie innerhalb dieser Theorie mit „weißen“ rassistisch marginalisierten Minderheiten (z.B.: Juden*), welche nicht nur durch „weiße“, sondern oft auch durch PoCs diskriminiert werden, bewertet werden soll (Definition von Rassismus fehlt).
Die Menschen, für eine kulturelle Sensibilisierung und respektvollen Umgang kämpfen, sollten statt cultural Appropriation vielleicht einen Begriff wie cultural Sensitisation wählen, dann kommen sie nicht in die Unangenehme Situation, aufgrund von unzähligen Hetzberichten selbstinzenierender dogmatischer critical Whitness-Sektierer ins Kreuzfeuer zu geraten.
Es kann nicht Ziel antirassistischer Arbeit sein biologistische Kriterien zu reproduzieren. Stattdessen muss im Fokus stehen diese zu dekonstruieren! Lasst uns etwas gemeinsames schaffen!

Konsumkritische Weihnachten

Maßloser Konsum, Müll, Ressourcenverschwendung. Die weihnachtlichen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt sind enorm, denn Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe und Besinnlichkeit, sondern eben auch Konsum und ein Fest für große Konzerne! Da Weihnachten im 21.Jahrhundert nur noch wenig mit seinen christlichen Uhrsprung zu tun hat, werde ich auf die religiösen Aspekte nicht eingehen.
Früher in meiner Kindheit, konnte ich es immer kaum erwarten, dass das Christkind die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ablegt und ich einen schönen Abend mit der Familie verbringe. Und auch heute, als Atheist mit nihilistischer Tendenz, freue ich mich dennoch, wie früher wieder mit der ganzen Familie ein paar schöne Tage zu verbringen.
Dennoch hat Weihnachten auch eine Schattenseite, die Folgen zügellosen und unreflektierten Konsums. Jedes Jahr landen ca. 25 Millionen Weihnachtsbäume in deutschen Haushalten. Oft werden auf den Plantagen giftige Chemikalien, wie Pestizide eingesetzt. Exemplarisch für die weihnachtliche Ausbeutung von Arbeiter*innen ist unter anderem der Onlinemarktplatz Amazon. Die Belegschaft wir rücksichtslos Ausgebeutet und zu Stoßzeiten, wie der Weihnachtszeit, werden tausende Leiharbeiter extra eingestellt, unwürdig Behandelt und unterbezahlt. Das selbe gilt für die Paketdienste. Der Benzin- und Dieselverbrauch steigt gewaltig an. Überall Dekorationsbeleuchtung, die unnötig Strom verbraucht. Tonnen von Müll durch Geschenkverpackungen, sowie Plastiktüten und viele Geschenke, die von den Beschenkten oftmals überhaupt keine Verwendung finden. Weggeschmissene Lebensmittel und besonders zynisch: der Weihnachtsbraten; gequält, ermordet und zum Fest der „Liebe“ serviert. Außerdem frage ich mich, ob all die gestressten Menschen, auf den Straßen, in den Einkaufszentren und saufend am Glühweinstand, wirklich so glücklich sind.

Stattdessen könnten wir doch, soweit wir Weihnachten feiern wollen, uns einmal fragen, inwiefern es nicht mal möglich ist, nur Dinge die wirklich gebraucht werden zu schenken oder das wilde Geschenke zu minimieren bzw. sogar gänzlich für Erwachsene darauf zu verzichten und nur Kindern etwas zu schenken. Da darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Tiere keine Geschenke sind! Es kann auch auf beispielsweise auf second-hand zurückgegriffen werden. Die meisten Dinge sind ja nicht weniger schlecht, nur weil sie gebraucht sind. Des weiteren könnte mensch unnötige Beleuchtung weglassen, wer will kann ein paar besinnliche Kerzen aufstellen. Und wieso nicht aus Liebe zu den Tieren ein rein veganen (am besten nicht nur zu Weihnachten) Weihnachtsbraten servieren? Einfach mal auf das Zusammensein mit der Familie, den Liebsten* oder Freund*innen freuen. Oder alternativ den Abend für sich alleine Genießen. Ein Weihachten für das Klima, die Umwelt und für die Tiere! Das wäre schön. Dann würde ich mich bedingungslos auf Weihnachten freuen.

Büchel Atomwaffenfrei – Büchel ist überall

Atomwaffen sind das Ultima Ratio militärischer Auseinandersetzung. Es existieren derzeit nach offiziellen Angaben 15.300 Atomwaffen, davon 1.800 immer in Alarmbereitschaft. Ca. 1.000 Stück würden ausreichen um alles Leben auf unseren Planeten auszulöschen. Dennoch handelt es sich um ein Nischenthema.
Der einzige derzeitige Atomwaffenstützpunkt liegt bei Büchel in der Eifel. Die A&O (Anarchistische Aktion und Organisierung) Kassel organisierte letzten Freitag ihren dritten Black Friday zu dem Thema Atomwaffen. Referent war ein Aktivist, der sich schon lange Jahre am Widerstand vor Ort beteiligt.

Atomwaffenstützpunkt Büchel

Büchel ist der letzte Atomwaffenstützpunkt in Deutschland und ein Fliegerhorst der Bundeswehr. Es lagern dort 20 US-Amerikanische Atombomben von Typ B61. Sie besitzt die dreizehnfache Sprengkraft der Hiroshimabombe. Auch Bundeswehrsoldaten sind für den Einsatz ausgebildet. Im Jahr 2024 sollen die Waffen erneuert werden. Sie sollen zu Lenkwaffen und für alle Trägersysteme (Flugzeuge, U-Boote) nutzbar gemacht werden. Dies ist jedoch als Verstoß gegen den ABM-Vertrag zu werten, welcher verbietet Atomwaffen mit neuen Fähigkeiten zu Entwickeln. So kann, während der atomaren Abrüstung, gleichzeitig die Effizienz gesteigert werden.

Stillstand bei atomaren Abrüstungsverhandlungen

Seit 1945 sind insgesamt sieben Fälle bekannt, bei denen es fast zum Einsatz gekommen wäre. Trotzdem stagnieren die Abrüstungsverhandlungen. Dabei dürften nicht zuletzt Machtspiele, in einer sich destabilisierenden Welt, Ursache sein. Die Atommächte schieben sich dabei gegenseitig die Schuld zu. Die Nato hält sich sogar, im Gegensatz zu Russland oder China, die Option zum Ersteinsatz offen und weigert sich dabei ein Gutachten des internationalen Gerichtshofes (vom 08.07.1996) anzuerkennen, welches den Einsatz von Atomwaffen für Völkerrechtswidrig erklärt hat. Die USA wollen in den nächsten 30 Jahren 1000 Milliarden Dollar in Atomwaffen investieren.

Aber es gibt Hoffnung .Am 12.03.2017 sollen Verhandlungen der UNO beginnen. Ziel ist die Ächtung und Einleitung der vollständigen Abschaffung. 123 Länder stimmten für die Verhandlungen. 38 Länder, darunter auch Deutschland stimmten dagegen. 16 Länder, darunter auch die Atommächte China und Indien, enthielten sich. Ein Entwurf für einen Vertrag soll bis Dezember 2017 vorliegen.

Abrüstung von Unten

Zunächst gab es in Büchel nur vereinzelte Aktionen kleiner Gruppen, bis es 2013 eine 24 stündige Sitzblockade gab. 2014 wurde ein 8-Tägiges Aktionscamp, verbunden mit verschiedenen Aktionen und zivilen Ungehorsames, auf die Beine gestellt und im Folgejahr 2015 kam es dann zur Aktion „Büchel 65“ an dem sich ungefähr 450 Aktivist*innen und 35 Gruppen beteiligten. Es gelang an der 65-tägigen Aktion, an mehr als 30 Tagen die Abläufe um den Stützpunkt erheblich zu stören. Das Jahr 2016 war geprägt von 20 Wochen Dauerpräsenz von Aktivist*innen, verbunden mit Mahnwachen, Aktionen und den errichten einer „Friedenswiese“, auf welcher jede*r möglichst dauerhafte Symbole aufstellen konnte/kann. Des weiteres gab es 2 große Blockaden, eine Eindringaktion und ein Camp.

Nächstes Jahr soll versucht werden den Stützpunkt mindestens einmal in der Woche zu blockieren, oder durch andere Aktionen zivilen Ungehorsames, Abläufe zu stören. Es wird eine internationale Woche geben, ein Friedenskonzert ist geplant und die Friedenswiese soll weiter ausgebaut werden.
Zusätzlich wird es weiter Unterschirftenlisten geben und eine Kunstausstellung, die in 50 verschiedenen Städten gezeigt werden soll.

Anarchismus ist alternativlos

Die parlamentarische Demokratie erweist sich gegenüber den Herausforderungen der Moderne als handlungsunfähig. Aber es gibt eine Alternative. Eine Alternative sowohl auf politischer, als auch auf wirtschaftlicher Basis. Den Anarchismus! Wie der Anarchismus unsere globalen und gesellschaftlichen Probleme lösen kann und warum er alternativlos ist, darum geht es in dieser Serie.

Heute: der anthropogene Klimawandel

Der anthropogene (menschengemachte) Klimawandel äußert sich in einer durchschnittlich ansteigenden Durchschnittstemperatur. Die Erhörung der Durchschnittstemperatur, seit der industriellen Revolution, verläuft dabei deutlich schneller, als es in den bekannten Erwärmungsphasen der letzten 65 Millionen Jahre der Fall war. Schuld daran ist vor allem das Kohlendioxid (CO2), welches Hauptverursacher, für den menschlichen Einfluss auf den Treibhauseffekt ist.
Die Menschheit erzeugt CO2 vor allem durch Tierhaltung, Verbrennung von fossilen Rohstoffen, sowie der Rodung der Wälder und es wird jedes Jahr mehr. Die Politik hat das Problem inzwischen erkannt, doch nachhaltige Lösungen sind in weiter ferne, scheinen gar unereichbar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Wirtschaftswachstum Hauptverursacher für die jährlich steigenden CO2-Emissionen ist. Wirtschaftswachstum ist allerdings integraler Bestandteil der kapitalistischen Wirtschaftsweise und schon allein deshalb Notwendig, um den Wohlstand zu halten, da es die Inflationsrate der Währung ausgleichen muss. Für Politiker und Ökonomen ist dieser Zustand unantastbar. Das Ressourcen endlich sind, das gilt auch für erneuerbare Energien1, spielt dabei für sie keine Rolle. Auch an der Tierhaltung soll nichts verändert werden. Im Gegenteil: die EU will 15 Millionen Euro für eine Kampagne ausgeben, um für mehr Fleischkonsum zu werben (Stand: 11.10.2016). Auch ein Stop der Abholzung der Wälder, vor allem der Tropen, ist für sie auch keine Option, da dies für das Wirtschaftswachstum, vor allem für Futtermittel verwendet in der Tierhaltung, unabdingbar ist. Einzige Ansatzpunkte sind erneuerbare Energien und Elektromobilität. Der Umstieg auf die erneuerbaren Energien fungiert dabei nur als Augenwischerei. Zur Überbrückung der Atomkraft, zu erneuerbaren Energien, soll dabei vermehrt auf Kohlekraftwerke gesetzt werden. Leider erzeugen diese besonders viel CO2. Weitere Maßnahmen, wie die Einstellung der Fördermittel für Unternehmen der Solarbranche, oder die Einstufung in „energieintensive Unternehmen“ (Massentierhaltung, Aluminiumerzeugung etc. bekommen Strom günstiger), spricht wohl für sich. Auf dem Gebiet der Elektromobilität tut sich sogar noch weniger, ja nahezu gar nichts. Und selbst wenn hier was passieren würde, was würde es nützen, solange der Strom aus Kohlekraftwerken kommt? Die Politik scheint ihrer Aufgabe nicht gewachsen und die kapitalistische Wirtschaft wird diese Probleme nicht lösen, da die kapitalistisch-ökonomische Logik es verlangt, immer höhere Gewinne zu erzielen, dabei ist das Wachstum Mittel zum Zweck. Wachstumszwang, Gewinnmaximierung und Lobbyismus, sprich die Marktlogik verhindern ein effektives Handeln der Politik.

Die Alternative:
Der Anarchismus setzt der kapitalistischen Ökonomie als Alternative die Solidarökonomie entgegen. Die Solidarökonomie oder solidarische Ökonomie richtet sich allein nach den Bedürfnissen der Menschen. Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass der Kapitalismus, um wirtschaftlich zu wachsen, immer neue Bedürfnisse erzeugen muss, beispielsweise durch kurze Produktlebenszyklen oder durch Werbung. Im Anarchismus gibt es außerdem kein Währungssystem, das auf Zins und Zinseszinsen beruht. Deshalb gibt es keine Inflation und somit ist auch kein Wirtschaftswachstum von Nöten. Wenn die Wirtschaft nicht wächst, steigen auch nicht die wirtschaftlich verursachten CO2-Emissionen. Das ist schon mehr als die parlamentarische Demokratie und der Kapitalismus seit Bekanntwerden der Klimaproblematik, erreicht haben. Da sich aber die Solidarökonomie einzig an den reellen Bedürfnissen der Menschheit orientiert, wozu auch eine intakte Umwelt gehört, kann sie ihre Kapazität auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise, dass heißt auf das Einsparen von Energie, sowie auf die Umstellung auf erneuerbare Energien ausrichten. Ich will hier auch nicht Unerwähnt lassen, dass durch die Fokussierung auf langlebige Produktlebenszyklen, sowie das Wegfallen überflüssiger Industriezweige und Arbeitsfelder wie die Rüstungsindustrie, Armee oder den Staatsaperrat, sowie durch das Ersetzen des Individualverkehrs durch öffentliche Verkehrsmittel und Gemeinschaftsfahrzeuge, enorme Kapazitäten frei werden. Letzteres würde auch die Umstellung auf Elektromobilität oder Wasserstofffahrzeuge erheblich erleichtern. Auch Entwicklung und Forschung können sich auf effektive Lösungen konzentrieren, statt ständig neue Nachfolgeprodukte, welche keinen nennenswerten Fortschritt bieten zu entwickeln.
Außerdem wird in der Solidarökonomie, im Gegensatz zur kapitalistischen Ökonomie, regional Produziert. In- und Export machen nur dann Sinn, wenn die Produkte oder Rohstoffe, vor Ort nicht selbst erzeugt werden können. Das spart erhebliche Transportwege.
Des Weiteren ist es Ziel des Anarchismus alle Herrschafts- und Ausbeutungsmechanismen zu dekonstruieren. Das bedeutet auch die Abschaffung der Tierhaltung2. Dadurch werden viel weniger Ackerflächen benötigt und die Wälder, insbesondere die Tropenwälder, können wieder aufgeforstet werden.
Wir haben also ein erstes Indiz, dass Anarchismus alternativlos ist!
Und weitere werden Folgen.

1 Photovoltaikanlagen und Windräder benötigen Platz, Platz ist allerdings begrenzt
2Die Nutztierhaltung vernichtet mehr Lebensmittel als sie erzeugt

Call for Papers für die Gai Dao an FLTI* (Frauen*, Lesben*, Trans*, Inter*)

Folgenden Aufruf möchte ich solidarisch unterstützen und daher mit euch teilen.

„Liebe Freund*innen, liebe Gefährt*innen,

wie eigentlich immer freut sich die Gai Dao über eure Mitwirkung am Projekt, über Texte, solidarische Kritik oder sonstige Vorschläge.

Für diejenigen unter euch, die sie nicht kennen: Die Gai Dao (chin. „einen anderen Weg gehen“) ist das monatlich als Zeitung erscheinende Sprachrohr der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA). Sie versteht sich als autonomes Projekt, das auch Menschen, Gruppen und Strukturen offensteht, die kein Mitglied der FdA sind, sofern sie die Ideen des Anarchismus und die Prinzipien der FdA unterstützen, gerne auch solidarisch-kritisch.

Es ist aber allgemein aufgefallen, dass es viel seltener Beiträge von FLTI*-Autor*innen gibt. Wir haben dazu keine Studie geführt, denn das Geschlecht ist natürlich nicht am Namen ablesbar und auch sonst ist es nicht wahrscheinlich, dass sich Autor*innen immer outen, wenn der Artikel gerade von einem anderen Thema handelt. Dennoch bleibt dieser Eindruck bestehen.

Beiträge mit anarcha*feministischen oder queerfeminsitischen (oder profeministischen) Inhalten waren zeitweise präsenter – erinnert sei beispielsweise an die Gaidao-Artikelreihe zur Afem 2014. Dennoch wollen wir diese Themenbereiche auch aktuell wieder mehr in der Gaidao vertreten sehen.

„Die [改道] Gǎi Dào ist ein offenes Projekt, dass so vielen Menschen wie möglich offen stehen will und soll.“

Um diesem Anspruch an uns selbst etwas näher zu kommen, wollen wir hiermit explizit FLTI*-Autor*innen ermutigen und auffordern, uns Beiträge zuzuschicken oder sich anderweitig an der Gai Dao zu beteiligen (s.u.). Außerdem wollen wir dazu aufrufen, uns Artikel rund um das Thema (Anarcha*)Feminismus zukommen zu lassen.

Hier findet ihr Anregungen, wie ihr euch genauer einbringen könnt.

Und beachtet bitte die Hinweise zum Einreichen von Artikeln.

Solidarische Grüße
Euer Gai Dao – Redaktionskollektiv“

Schmalspuraktivismus. Gedanken über ein Phänomen

Immer wieder treffe ich Menschen, welche das Eine oder das Andere politische Thema besonders nahe geht. Sie sind spezialisiert und leisten häufig auf ihren Gebiet besonders gute Arbeit, kennen sich mit theoretischen Grundlagen und deren praktischen Umsetzung besonders gut aus. Und um eines gleich vorweg zu nehmen, möchte ich hier gleich am Anfang sagen, dass das mehr als nur legitim ist. Die Auseinandersetzung mit einer speziellen Problematik ermöglicht Sensibilisierung, argumentative Stärke, einen Überblick über effektive Aktionsformen etc. und kann so ihre Wirksamkeit effektiver entfalten als wenn mensch seinen*ihren Blick mal hier, mal dorthin richtet. Natürlich hat eine breite thematische Aufstellung auch Vorteile, wenn es zum Beispiel darum geht darzustellen, was Anarchist*innen überhaupt wollen. Es soll hier aber auch nicht um Vor- und Nachteile verschiedener schwerpunktmäßiger Ausrichtungen gehen. Es soll auch nicht darum gehen, wo der Schuh im Kampf um eine emanzipierte Welt gerade am meisten drückt. Viel mehr geht es um eine Problematik, die mir dabei häufiger ärgerlich auffällt.
Das Problem: andere Bereiche verblassen nicht einfach nur hinter der Herzensangelegenheit, sie werden häufig als sekundär wahrgenommen oder sogar völlig missachtet. Das geschieht auch wenn sich auf eine ganzheitliche Gesellschaftsalternative wie den Anarchismus bezogen wird. Ich nenne so etwas einfach mal Schmalspuraktivismus.

Um das ganze mit Substanz zu füllen mal ein paar Beispiele, die ich in meinen politischen Alltag erlebt habe, oder sogar öfters erlebe. So sieht mensch immer wieder Antifaschist*innen die mit nigelnagelneuen Markenklamotten, genäht unter erbärmlichsten Bedingungen in Indien, herum laufen. Eine Feministin welche in einer Runde Veganer gelantinehaltige Süßigkeiten verteilte oder Tierrechtsaktivist*innen die sich unter dem Motto „alles für die Tiere“ mit fragwürdigen Personen und Organisationen aus dem Querfrontspektrum einlassen. Und ja, auch ich bin da nicht immer völlig korrekt und so kaufte ich mir vor einiger Zeit ein neues Handy, statt zu warten bis ich irgendwo ein gebrauchtes bekommen konnte.
Mir ist völlig klar, dass es schlicht und einfach unmöglich ist in unseren Gesellschaftsstrukturen 100 prozentig politisch korrekt zu leben oder um es mit Adorno zu sagen: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ So ist es auch völlig klar, dass beispielsweise jemand mit wenig Geld sich nicht von Biofairtradeprodukten ernähren kann. Dennoch halte ich es für nötig, das eigene Verhalten immer wieder zu reflektieren, selbstkritisch an sich zu arbeiten und sich zu fragen, wie mensch Fehler vermeiden kann, denn häufig gibt es einfache Auswege, um solches Verhalten zu verbessern. Zum Beispiel in dem mensch auf SecondHand Kleidung zurückgreift oder sich nach Möglichkeit im nächsten Umsonstladen einkleidet, auf tierische Produkte verzichtet oder auf Lebensmittel aus dem Container zurückgreift.
Es geht mir dabei nicht darum, dass jede*r perfekt sein soll, weil es eben unmöglich ist. Die meisten Menschen werden wohl immer wieder, auch wieder besseren Wissens, falsch handeln. Das ist vielleicht auch menschlich. Deshalb will ich mit diesen Text dazu anregen immer weiter an sich zu arbeiten und ganzheitlich zu denken. Die meisten dürften wohl die Zeit finden, sich auch einmal mit den von sich weniger beachteten Themengebieten auseinanderzusetzen, vor allem dort, wo sich das eigene Handeln im Alltag positiv auf diese Welt auswirken kann!
Was ich mir wünsche ist, dass gerade Linksradikale in ihrem Alltag selbstverständlicher unethischen Konsum reduzieren würden. Das soll nicht zu einer Rechtfertigungskultur führen, sondern zu einer zunehmenden Sensibilisierung für die Ablehnung von durch Ausbeutung produzierter Produkte.

Über diesen Blog

Willkommen auf meinem Block. Hier soll es regelmäßig, mindestens einmal im Monat, neue Artikel rund um das Thema Anarchismus und Politik geben.
Doch was bedeutet Anarchismus?
Anarchismus ist ein politisches System, welches den Menschen ermöglicht sich sowohl gesellschaftlich, als auch wirtschaftlich, selbst nach den eigenen Bedürfnissen zu organisieren und das Individuum frei zu entfalten. Dies schließt den Respekt vor der Freiheit jedes*r einzelnen ein. Oberste Maxime ist dabei Herrschaftsmechanismen und Patriarchat abzuschaffen, sowie die Ausbeutung von Mensch und Tier zu beenden.
Für ein Leben, Lieben und Lernen in Freiheit für alle!!!